Die Welt ist aus den Fugen geraten

Fassungslos habe ich am Abend des 13. November die Berichte über die Terroranschläge von Paris bis spät in die Nacht verfolgt. Es war ein Gefühl, ähnlich wie am 11. September 2001, als Amerika vom internationalen Terrorismus grausam heimgesucht wurde. Aber mit dem Anschlag von Paris wurde uns der IS-Terror vor die eigene Tür gelegt. Es hätte genauso in Frankfurt sein können. Es wurde Frankreich getroffen, aber auf Europa, unsere Freiheit, unsere Werte und unsere Art zu leben gezielt. Dieser Anschlag wird uns tiefer treffen als alles, was wir bisher in Europa kannten.

Und er hat die Frage aufgeworfen, wie wir darauf reagieren sollen. Natürlich lassen wir unsere Werte und Haltungen nicht von Terroristen zerstören, wollen und werden unsere Freiheit verteidigen. Aber mit allgemeinen Solidaritäts- und Mitleidsbekundungen, mit Diskussionsrunden und farbenfrohen Gesten ist das nicht zu erreichen. Tränen allein helfen nicht. Bundespräsident Gauck hat Recht. Der Zorn müsse sich in „Entschlossenheit und Verteidigungsbereitschaft“ wandeln. Die Antwort kann nur eine konsequente Politik der Stärke, der entschiedenen und selbstbewussten Verteidigung von Rechtsstaat, Demokratie, Meinungs- und Religionsfreiheit, Marktwirtschaft und Menschenrechten sein. Das bedeutet die Kontrolle der Grenzen, die Regelung von Einwanderung, die Flüchtlingen aus Gründen von Krieg und Terror weiterhin Asyl gewährt, aber Wirtschaftsflüchtlingen und Flüchtlingen aus sicheren Drittstaaten ebenso strikt zurückweist. Und ebenso jeden sofort ausweist, der die Regeln unseres Rechtsstaates missachtet. Und es bedeutet, alle Mittel zur Verfolgung von Terror und Verdächtigen einzusetzen. Ohne eine vorübergehende Einschränkung der Freiheit des Einzelnen wird die Freiheit im Ganzen nicht zu retten sein.

Reden sind genug gehalten. Auch die muslimischen Verbände müssen mehr als nur Betroffenheit zeigen. Sie müssen Zeichen setzen. Denn allzu schnell werden Flüchtlingskrise und IS-Terror miteinander vermischt. Dabei sind die Menschen gerade aus diesem Grund auf der Flucht. Die Terrorwelle von Paris kann so schnell zu einem Brandbeschleuniger in der deutschen Flüchtlingsfrage werden. Gerade deshalb muss uns klar werden, dass in dieser Frage zaudern und lavieren nicht weiterhelfen. Millionen von Flüchtlingen pro Jahr können selbst von der stabilsten Wirtschaft und der tolerantesten Gesellschaft nicht problemlos integriert werden. Dem sollten wir ins Auge schauen, um rechten und linken Gruppen erst gar keinen Nährboden für Rassismus und Propaganda zu liefern. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Die Attentate in der französischen Hauptstadt fordern uns heraus. Was wir jetzt mehr denn je in Europa brauchen, ist eine Politik gemeinsamer Stärke.

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