Heiko Kasseckert

Kolumne im Hanauer Anzeiger vom 02.05.2026

Schwäche ist hausgemacht

Die wirtschaftspolitische Lage ist ernst und sie verlangt Klartext. Deutschland steht unter Druck wie lange nicht mehr. Geopolitische Spannungen, neue Handelskonflikte und strategische, protektionistische Industriepolitik verändern die Spielregeln der Globalisierung. Die Weltwirtschaft wird politischer, härter, weniger berechenbar. Für ein exportorientiertes Land wie Deutschland ist das eine Zäsur.

Doch die eigentliche Schwäche ist hausgemacht. Zu viel Bürokratie, zu lange Verfahren, zu wenig Tempo. Während andere Staaten gezielt investieren und beschleunigen, verliert sich Deutschland im Streit der Regierenden und in deren Reformunfähigkeit. Als Folgen bleiben Investitionen aus, Unternehmen zögern, Innovation und Investitionen wandern ab.

Dabei sind die Voraussetzungen gut, auch und gerade in Hessen. Mit dem Finanzplatz Frankfurt am Main, dem Flughafen als Tor zur Welt, einem starken Mittelstand und industrieller Substanz ist die Basis intakt. Doch Stärke ist kein Selbstläufer. Fachkräftemangel, hohe Energiekosten, eine fehlgeleitete Klimapolitik und langsame Genehmigungen bremsen die Dynamik.

Die Antwort kann nur lauten: weniger Hürden, mehr Handlungsspielraum. Das wollen wir erreichen mit einem vereinfachten Vergaberecht, schnelleren Bauverfahren und gezielten Investitionen sowie dem Glauben an die soziale Marktwirtschaft. Diese lebt von Freiheit und Verantwortung, nicht von kleinteiliger Regulierung und staatlichen Eingriffen. Der Staat muss den Rahmen setzen, aber er darf nicht zum Unternehmer werden. Wir brauchen Vertrauen in die Kräfte des Marktes und der Menschen. Und deshalb muss man jeder Berliner Initiative nach mehr Schulden, einer eigenen Wohnungsbaugesellschaft und weiteren Umverteilungsfantasien eine Absage erteilen.

Aber nicht alles ist schlecht. Unser Land hat weiterhin enormes Potenzial, Innovationskraft, Know-how und industrielle Stärke. Sie müssen nur entfesselt werden. Jetzt entscheidet sich, ob Deutschland wieder aufholt oder weiter an Dynamik verliert. Klar ist: Die Zukunft gehört nicht denen, die verwalten, sondern denen, die gestalten.