Kolumne im Hanauer Anzeiger vom 19.09.2026
44 Prozent für die AfD und nur 17 Prozent für die CDU in Sachsen-Anhalt sind weit mehr als ein schlechtes Wahlergebnis. Morgen wird es kaum besser werden. Es ist ein Warnsignal, das niemand in der politischen Mitte ignorieren darf. Wer glaubt, solche Entwicklungen seien ein ostdeutsches Phänomen, macht es sich zu einfach. Reflexartig beteuert die Politik, sie müsse die Reformen besser erklären. Nein, sie müssen die Sorgen, Nöte und Ängste der Bürger anhören und verstehen, um die richtigen Antworten geben zu können.
Viele Menschen haben das Vertrauen verloren, dass Politik ihre alltäglichen Probleme noch lösen kann. Sie erleben wirtschaftliche Unsicherheit, Migrationsfolgen, hohe Benzin- und Energiepreise, steigende Sozialabgaben, einen übergriffigen Staat, Sozialmissbrauch, Staatshilfen für fremde Länder, während im eigenen Land die Infrastruktur marode ist. Der politische Kompromiss auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner geht oft an der Lebenswirklichkeit der Menschen vorbei.
Zur Wahrheit gehört, dass wir stärker mit den Menschen reden müssen, deren Vertrauen wir verloren haben. Wer aus Enttäuschung oder Protest AfD wählt, darf nicht pauschal ausgegrenzt oder abgestempelt werden. Wir müssen zuhören und mit besseren Argumenten überzeugen.
Durch die Brandmauer steckt die CDU in einem strategischen Dilemma, weil Koalitionen nur mit Links möglich sind, obwohl eine Mehrheit der Deutschen inzwischen eine bürgerliche-konservative Politik wünscht. Mit Links sind die notwendigen Reformschritte nicht zu erreichen. Die Brandmauerdiskussion, die für linke Parteien eine Garantie zur Regierungsbeteiligung ist, muss ein Ende haben. Wir müssen Sachthemen zur Abstimmung stellen und Mehrheiten für gute Ideen im gesamten politischen Spektrum suchen. Auch das lässt unser demokratisches System ausdrücklich zu.
Das bedeutet keine Annäherung an die AfD. Zwischen dem Gespräch mit ihren Wählern und einer politischen Zusammenarbeit mit einer Partei, die in Teilen ihrer Führung einen radikalen Kern hat, besteht ein fundamentaler Unterschied. Aber mit Brandmauern gewinnt man keine Wahlen und auch kein Vertrauen zurück. Die demokratische Mitte muss durch gute Politik und nicht mit Ausgrenzung überzeugen.
Das Ergebnis von Sachsen-Anhalt ist der letzte Warnschuss. Es sollte uns antreiben, die richtigen politischen Konsequenzen zu ziehen. Das Ignorieren eines großen Teils der Wähler ist der falsche Weg. Das Warnsignal könnte kaum deutlicher sein.